Pressestimmen - Schnäppchenjagd

Heilbronner Stimme, 31. Januar 2005:

GAUwahnen in der Ebene3 - Kaufrausch im Schnäppchenland

Konsumiert wieder, ihr Sparschweine! Kaufen Marsch, Marsch! Zwischen Befehlston und frühlingsfrischer Heiterkeit: "Veronika, der Benz ist da, die Händler singen Trallala" irrwitzeln die Gauwahnen durch das Land von Überproduktion und Kaufenthaltung. "Schnäppchenjagd" heißt das Programm des Heilbronner Kabarett-Ensembles, das in der gut gefüllten Ebene 3 seine Premiere feierte.

Da trällert Eva Läpple zur Melodie von "Wochenend und Sonnenschein" "Schnäppchenjagd und Räumungskauf bestimmen meinen Lebenslauf". Alexandra Müller lässt als schwäbisch preisbewusste Hausfrau den "Schönen Gigolo" anklingen, wenn sie Lebensmittel jenseits des Verfallsdatums besingt: "Schöner Chicorée, gelber Chicorée, ich kauf den mit braune Della." Banana-Joe vom Hamburger Fischmarkt alias Ingo Kaiser hilft den Staatssäckel füllen, indem er neben T-Aktie und Brennstab aus Hanau, Bundesverdienstkreuze verhökert. "Früher bekamen es die, die es verdient hatten, heute können Sie es für 500 Euro haben, und für 600 Euro leg ich einen Brennstab und zwei Bundeswehrsoldaten dazu, die ihnen den Garten jäten."

Schnäppchen überall, ob für "Geiz ist geil"-Ossis ein Eigenheim in Neckarwestheim oder ein Arbeitsplatz für sparwütige Schwaben, die zukünftig Maultaschen im Lettländle produzieren. In temporeichen Sketschen lassen Erhard Jöst und Niklas Albrecht nebst Kaiser, Läpple, Müller das Publikum teilhaben an bitterer Aktualität. Sie nehmen den Billig-Kaufrausch auseinander, überprüfen kursierende Rathaus-Gerüchte auf ihren Wahrheitsgehalt und freuen sich über die saftigen Abfindungen, die sich deutsche Manager zuschieben.

Musikalisch unterfüttert wird das Ganze am Piano von Niklas Albrecht, am Saxofon von Eva Läpple und an Trompete und Posaune von Christian Schillo. (Leonore Welzin)

Rhein-Neckar-Zeitung, 1. Februar 2005:

Schnäppchenjagd und Räumungskauf

Premiere der GAUwahnen in der Ebene3 im K3 Heilbronn

[...] Vom fröhlichen Shoppen zum fröhlichen Poppen, die flexiblen Mädels vom Rundum-Service (Läpple, Müller) winken mit Stringtangas, locken mit Frühbucherrabatt, Gruppenermäßigung und Rubbellos.

[...] Im Februar 1988 gründete der Gymnasiallehrer und Schriftsteller Erhard Jöst das politische Kabarett "die GAUwahnen" in Heilbronn. Durch einen Leserbrief war er ins Visier des damaligen Kultusminister Gerhard Mayer-Vorfelder geraten, der überprüfen ließ, ob der Unterricht von Jöst "den Anforderungen von Landesverfassung, Schulgesetz und Lehrplan entspricht".

Aus der Provinzposse wurde scharfzüngiges Kleinkunsttheater, das inzwischen mit einem Eintrag in das "Kabarett-Lexikon" (Klaus Budzinski/Reinhard Hippen, Metzler-Verlag Stuttgart) geadelt wurde. Dass die GAUwahnen kein zahnloser Papiertiger sind beweist einmal mehr ihr jüngstes Programm: Beste Realsatire präsentiert in Hochform. Musikalisch unterfüttert am Piano von Niklas Albrecht, am Saxofon von Eva Läpple und neu in der Runde an Trompete und Posaune von Christian Schillo. Unbedingt hingehn! (Leonore Welzin)

Kraichgau Stimme, 25. Februar 2006:

Konsumiert wieder, ihr Sparschweine!

Heilbronner Kabarett-Ensemble Gauwahnen kitzelt im Rappenauer Wasserschloss die Lachmuskeln

Wer erkennt sich nicht selber wieder, wenn die Heilbronner Gauwahnen scharfzüngig und frech die Schwächen der Gesellschaft aufs Korn nehmen? Das Publikum im Bad Rappenauer Wasserschloss amüsierte sich köstlich über die temporeiche „Schnäppchenjagd” des Kabarett-Ensembles.

„Konsumiert wieder, ihr Sparschweine! Kaufen, marsch, marsch ...” Da waren schon die ersten Lacher angesagt. Klar, die Wirtschaft liegt darnieder und jetzt ist Einfallsreichtum angesagt. „Schnäppchen” heißt das Zauber- und Reizwort, das beim Durchschnittsbürger den Verstand aussetzen und den Geldbeutel öffnen lässt. Die Gauwahnen wissen das. Nicht umsonst schauen die fünf Kabarettisten der Politik und dem Volk genau aufs Maul und greifen da ein, wo durch Widersprüchlichkeit und Alltagswahnsinn die Logik nicht mehr mitmacht.

1988 hat der Heilbronner Gymnasiallehrer Erhard Jöst die Truppe gegründet, die inzwischen sogar in einem Kabarett-Lexikon eingetragen ist. Die Gauwahnen, das sind heute Eva Läpple, Alexandra Müller, Ingo Kaiser, Niklas Albrecht und Erhard Jöst. Das Programm „Schnäppchenjagd” hatte im Januar 2005 in Heilbronn Premiere. Nach Bad Rappenau brachten es die Gauwahnen aktualisiert und mit etlichen lokalen Bezügen garniert.

Frisch, frech und stimmgewaltig, oftmals aber auch fast atemstockende Betroffenheit auslösend, rückten sie neben dem Konsumaufruf auch der Gesundheitsreform und dem Renten-Desaster zu Leibe. Wie war das noch mal? Wer über 58 ist, sollte dazu verpflichtet werden, dreimal jährlich an einem Marathonlauf teilzunehmen: „Jeder, der das lebend übersteht, bekommt eine Flasche Haarwuchsmittel spendiert ...”

Oder: Warum wird der Opa zum Einbrecher und will dabei erwischt werden? Weil er mit seiner Rente das Altersheim nicht mehr bezahlen kann. Im Verhältnis dazu klingt es natürlich harmlos, wenn Eva Läpple zur Melodie von „Wochenend' und Sonnenschein” „Schnäppchenjagd und Räumungskauf bestimmen meinen Lebenslauf” bekennt. Auch wenn das Ensemble zweideutig über „Veronika der Benz ist da, der Händler, der singt tralala” für den Autokauf wirbt. Sogar das horizontale Gewerbe, dezent als Rundum-Service deklariert und durch Eva Läpple und Alexandra Müller in Szene gesetzt, überlegt sich Rabatte: „Wer neunmal gebucht hat, darf noch mal.”

Dort, wo es dem Volk besonders weh tut, langt Bananen-Joe vom Heilbronner Fischmarkt, alias Ingo Kaiser, hin: Mit Versteigerungen von Brennstäben aus Hanau, Bundesverdienstkreuzen und einer T-Aktie will er helfen, das Staatssäckel zu füllen. Aber es ist schmutziger Donnerstag, und da darf man zum Schluss noch mal herzlich lachen: Nämlich dann, als die Gauwahnen in Gestalt der Heilbronner Stadtväter überlegen, ob sie Verona Feldbusch zum Käthchen krönen dürfen. Musikalisch genau passend unterlegt worden war die „Schnäppchenjagd” von Niklas Albrecht (Klavier) Eva Läpple, (Saxophon) und Christian Schillo (Trompete). (Christine Weller)

Rhein-Neckar-Zeitung, 27. Februar 2006:

Frech, subversiv und ein wenig ordinär

Brustimplantate aus zweiter Hand - Kurzweiliges Gastspiel der „GAUwahnen” in Bad Rappenau

Bad Rappenau. Wenn die Haushaltskasse leer ist, muss man selbst hart arbeiten. Dann wird die Bypass-Operation vom Großvater einfach auf dem Küchentisch zelebriert. Was die Chirurgen können, kann nicht so schwer sein. Das behauptet die Kabaretttruppe „GAUwahnen” in ihrem Programm „Schnäppchenjagd” im Wasserschloss Bad Rappenau. Es ist das erste Gastspiel, das Gymnasiallehrer und Gründer der Gruppe, Erhard Jöst und seine vier Mitspieler geben. Dass die Veranstaltung ausverkauft ist, zeugt vom Renommee, das sich die Kabarettisten in den vergangenen Jahren im Unterland aufgebaut haben. Auch im Kraichgau funktionieren ihre Pointen. „Nicht alles selbst basteln, sondern kaufen, kaufen, kaufen”, appelliert Niklas Albrecht an die Besucher.

Warum nicht ab und zu mal einen neuen Daimler? Das stärkt die heimische Wirtschaft. Dem sollte sich der eigene Geldbeutel unterordnen. Es sind die Parolen der Gegenwart mit dem Bewusstsein der Werte von gestern, welche die „GAUwahnen” präsentieren. Auch die schnelle Umstellung von Kanzler Schröder auf seine Nachfolgerin Angela Merkel hat geklappt. Fast - nur einmal rutscht den Akteuren noch der Name des Altkanzlers heraus. Ansonsten läuft es reibungslos. Die Pointen sitzen, keine Versprecher und das Timing passen ebenfalls. Die Gäste quittieren die Vorstellung mit Szenenapplaus.

Wie könnten sie auch anders, wenn Jöst als Soldat im Kosovo mit nur noch einem Bein auftritt. Dennoch will er wieder in den Kriegseinsatz, um Deutschland auch in fernen Landen zu verteidigen. Seit 1988 ist Jöst der Kopf der Gruppe. Doch auch Alexandra Müller als durchgedrehte Verona Poth, frühere Feldbusch, Ingo Kaiser und Niklas Albrecht überzeugen. Musikalisch setzt traditionell die ausgebildete Sängerin Eva Läpple die Glanzlichter. Mit glasklarer Stimme und ausgereiftem Ausdruck gibt sie die Angelika. Die Dame hat sich den Körper plastisch erneuern lassen und trällert ein Loblied auf die Schönheitschirurgie. Auch hier hat sie ein Schnäppchen geschlagen. Die Brustimplantate sind aus zweiter Hand. Vorher sollen sie in der Brust von Dolly Buster gewesen sein. Frech, subversiv und ein wenig ordinär - so sind sie eben, die „GAUwahnen”. (Tobias Bumm)