Pressestimmen - Nacht der Heilbronner Kabarettisten

Heilbronner Stimme, 31. März 2010

So nette Fanpost kriegt man selten

Von Leonore Welzin

Heilbronn - Schwarz-Rot-Gelb sind die Boxhandschuhe, mit denen sich Guido, die Westerwoge, bei Wolke Sieben zum Training einfindet. Rechtsausleger, linke Haken und Stehvermögen - alles kein Problem, aber etwas mehr Durchschlagkraft in der schwarz-gelben Koalition wäre vonnöten. Wie das Verbal-Sparring in "Guido se Schämpion" sind auch die anderen Sketch- und Liedtexte der Gauwahnen mit Pointen gespickt.

Vorgeschmack

Überalterung, Endlagerung, rückläufige Steuereinnahmen, Easy Credits und gesunde Ernährung sind einige der Themen, die, satirisch verpackt, die Kabarett-Crew um Erhard Jöst unter dem Titel "Nachschlag" im Herbst herausbringen wird. Einen appetitanregenden Vorgeschmack gab"s in der Nacht der Heilbronner Kabarettisten (Naheilka) in der Ebene 3.

Du bist, was du isst, eine Steilvorlage für Tilman Luckes Nummer "Die Würde des Essens". Zwischen Mikro und Klavier serviert der pfiffige Alleinunterhalter Teile seiner Herbstpremiere "Bildungslucke" und warnt: "Verschlucken Sie sich nicht am Analogkäse!" Stattdessen empfiehlt er ein schnell zubereitetes Frikassee au Clochard, mit etwas Petersilie und einem gestrichenen Teelöffel Selbstachtung.

Justizministerin

Nah am Regierungsbuffet plaudert der Wahlberliner mit Heilbronner Wurzeln aus dem Nähkästchen. Musikalisch-parodistisch unterlegte Realsatire und eine "Tapferkeitsrede", die das Publikum polarisiert. Neu aufgelegt seine "Sabine", eine Persiflage aus zwölf Strophen und 25 Reimen, inspiriert durch eine wahre Begebenheit mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. "So nette Fanpost kriegt man selten", ließ die Justizministerin den gewitzten Lucke wissen

So nette Fanpost kriegt man selten

Wahlberliner mit Heilbronner Wurzeln: Tilman Lucke.Foto: Leonore Welzin

Heilbronner Stadt-Anzeiger, 3. Februar 2005:

Am 25. Februar "Nacht der Heilbronner Karnevalisten" (sic!)

"Naheilka" im K3

Zwar ist Heilbronn (noch) keine Hochburg des Kabaretts, aber immerhin gibt es auch in der Käthchenstadt schon seit vielen Jahren engagierte Jünger der zehnten Muse. Im Jahr 1988 wurden von dem Lehrer und Schriftsteller Erhard Jöst die GAUwahnen gegründet und bald darauf wurde von dem Lehrer Albrecht Wahl mit Ufug ein schwäbisches Kabarett ins Leben gerufen.

Inzwischen kommentieren auch die Hegelmaiers um den Journalisten Uwe Jacobi und Heinz Kipfers Schupfnudeln auf dem Theaterschiff mit Ironie das Zeitgeschehen.

Die Heilbronner Kabarettgruppen U.f.u.g und GAUwahnen wagen nun etwas Neues: Am Freitag, 25. Februar, 20 Uhr, treten sie erstmals zusammen auf und präsentieren auf der Ebene 3 im K3 Heilbronn die "Naheilka" (Nacht der Heilbronner Kabarettisten).

Die GemEinheitsNacht, in der die GAUwahnen zum 3. Oktober in jedem Jahr jeweils mit einem Ensemble aus den Neuen Bundesländern einen satirischen Bericht abliefern, wird damit durch eine weitere Satire-Veranstaltung ergänzt. Lokale Spitzfindigkeiten stehen im Mittelpunkt dieser Gemeinschafts-Aufführung.

Die Zuschauer dürfen sich auf eine satirische Bestandsaufnahme der kommunalpolitischen Szene, garniert mit frechen Liedern, freuen. Ufug werden die schwäbischen Elemente beisteuern, die GAUwahnen den politischen Biss. Wenn sich die Kabarettisten am Trollinger-Marathon beteiligen oder den Renter-Song singen, dann bleibt kein Auge trocken. Auch die Generalversammlung einer Ich-AG oder die Abarten einer Schnäppchenjagd liefern Lachanreize. Und was haben Verona und Heilbronn gemeinsam? Die "Naheilka" klärt auf. [...]

Heilbronner Stimme, 2. März 2005:

Wider den lokalen Ernst der Lage

Nacht der Kabarettisten

Naheilka ist keine Kampfsportart, sondern die Abkürzung für "Nacht der Heilbronner Kabarettisten", das erste Zusammentreffen der Kabarettisten U.f.u.g und Gauwahnen in der Ebene 3.

Die politische Stimmung Ende der 80er Jahre hat in der Neckarstadt gleich zwei Initiativen in die Spaßoffensive getrieben. Der Gymnasiallehrer und Schriftsteller Erhard Jöst gründete im Februar 1988 das politische Kabarett Gauwahnen. Im selben Jahr formierte sich - ebenfalls aus Pädagogen - das Trio Albrecht Wahl, Erika Ellenberger und Erhard Geiger. Einzelne Gags und Sketche für Privatfeiern entwickelten sie zum Mundart-Kabarett namens U.f.u.g.

Der Ernst der Lage hat sich verschärft, der Bedarf an Satire wächst. So schauten die beiden Kabarettgruppen auf ein gut gefülltes Lokal der Ebene 3. U.f.u.g. hat sich aus dem Gardehäusle, will heißen provinzieller Tiefe zwischen Prevorst und Zaberfeld, hinaufgeschafft in allgemein gültige Themen wie dem Modell zur artgerechten Haltung männlicher Lebensabschnittspartner: "Komm, Ewald, zeig amol dei Waschbrettbäuchle!", einer Reich-Ranicki Parodie, die anglophiles Schlagereinerlei à la "Da da daaa" aufs Korn nimmt und einem Hamburger Taxidriver, der zwei Schwaben durch St. Pauli kutscht.

Die Gauwahnen zeigten Ausschnitte aus "Wir ampeln" sowie dem jüngsten Programm "Schnäppchenjagd" und fuhren dabei immer wieder zu Hochform auf. Ob im "Rentnersong", dem "Preis der Schönheit" oder der absolut schrillen "Verona (damals Feldbusch) in Heilbronn", klasse parodiert von Alexandra Müller - selbst in Monologen wie die "General-Versammlung" - eine abgedrehte Realsatire zum Thema Ich-AG, in der Niklas Albrecht die "Hähnchen für Heilbronn AG" vorstellt, setzt das Ensemble temporeich Pointen und zeigt, dass sich die Amateure von einst über die Jahre professionalisiert haben.

Biss fehlte dieser ersten Nacht der lokalen Spaßmatadore nicht, aber eine stringente Dramaturgie. Dem Wechsel von jeweils vier Sketchen von Gauwahnen mit Vieren von U.f.u.g. mangelte es an Rhythmus, die Übergänge sollten besser abgestimmt oder dichter verwoben werden.

Ein kritischer Blick von außen aufs Ganze wäre zu empfehlen, schwarze Klamotten vor schwarzem Vorhand sehen einfach furchtbar aus. Schon ein kleiner Trick, wie die blau gestreifte Kittelschürze, die Eva Läpple zum Saxofonspiel trägt, ist nicht nur ein optischer Aufheller, sondern gibt der Figur als Ganzes mehr Profil. (Leonore Welzin)