Pressestimmen - Bombenstimmung Premiere

Heilbronner Stimme, 4. November 2003:

GAUwahnen-Premiere im Cave

Rauchen für die Rente

Vorbei die Zeit, in der manch gestriegelter Gymnasiast mit dicker Brille und errötetem Kopf krampfhaft versuchte, politische Inhalte witzig herüberzubringen, um dann doch stammelnd über seine Nerven zu stolpern.

Erhard Jöst hat so lange an seiner Wunderlampe gerieben, bis vier gestandene Kabarettisten erschienen sind, bei denen Textsicherheit, komödiantisches Talent und Humor stimmen. So haben sich seine GAUwahnen im Lauf der Jahre zu einer Truppe entwickelt, die manch heißen kabarettistischen Tanz aufs Parkett legen kann. Dies bewiesen sie bei der Premiere ihres neuen Programms "Bombenstimmung" im Heilbronner Cave.

Sie führten dem prall gefüllten Saal vor Augen, wo in Politik und Gesellschaft dringender Reformbedarf besteht. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist der erste, der sein Fett wegkriegt. Im Lied "Der Schöne" besingen Erhard Jöst und Eva Läpple den größten Kollateralschaden der Bush-Regierung.

Verwandlungstalent beweisen Alexandra Müller und Ingo Kaiser im Sketch "Bürgerpflicht". Als vierjähriger Junge und zweijähriges Mädchen in Strampler gesteckt und mit Schnuller ausstaffiert raucht Müller eine Zigarre. Auf die Frage, warum sie dies tue, antwortet sie trocken, dass es ihre Pflicht sei, mit Hilfe der Tabaksteuer die Rente ihrer Eltern zu sichern.

Auch der fünfte im Bunde, Niklas Albrecht, wirft sein ganzes Können in die Waagschale. In der Generalversammlung persifliert er die Neurosen von Managern. Obwohl er einen Einmannbetrieb leitet, vereint er schizophrenerweise gleich vier hochrangige Mitarbeiter in seiner Brust und führt deshalb heiße Wortgefechte mit sich alleine. Die groteske Szene gipfelt darin, dass er sich am Ende selbst mit Entlassung droht.

Der kölschen Frohnatur Albrecht ist der Sketch auf den Leib geschneidert. Mit schlaksigen Gesten, wandlungsfähiger Mimik und variablem Redefluss bringt er das Publikum zum Toben. Aber auch als musikalisches Rückgrat der GAUwahnen am Piano weiß der gelernte Rechtsanwalt zu überzeugen.

Gesanglich haben die Kabarettisten deutlich an Qualität zugelegt. Vor allem Eva Läpple, Sängerin mit klassischer Ausbildung, zieht hier alle Register. (Thobias Bumm)

Echo:

Politikern auf den Zahn fühlen

Ausverkauftes Haus am Freitagabend im Jazzclub Cave 61 im Heilbronner Theaterforum K3: Gut hundert Zuschauer sind gekommen, um die "Bombenstimmung"-Premiere des Heilbronner Kabarett-Ensembles GAUwahnen zu sehen.

Die GAUwahnen wurden im Jahr 1988 von Gymnasial-Lehrer Erhard Jöst gegründet - "Bombenstimmung" ist das mittlerweile 14. Programm, das von den Kabarettisten gespielt wird. "Außerdem", sagt Jöst, "haben wir in der Zeit auch noch zwei Revuen mit Schülern realisiert." In ihrem neuen Programm wollen die GAUwahnen um Erhard Jöst "wieder einmal den brisanten Zeitthemen satirisch auf den Grund gehen". Es geht um Außenpolitik - "zwar bläst Frau Merkel ab und zu gerne die Backen auf, aber beim amerikanischen Präsidenten hat sie weniger geblasen, da ist sie vielmehr gekrochen" - und Innenpolitik: "Der Eichel-Hans, der Eichel-Hans ist der Minister für Finanz, wie die Steuer auch heißt, wo der Satz auch steht: Der Eichel-Hans erhöht, erhöht" singen Eva Läpple und Ingo Kaiser zur schmissigen Melodie von "Der Theodor im Fußball-Tor". Alexandra Müller macht leidenschaftlich Werbung für KifüTeu - Kinder für Teufel. Eine Aktion der Landesregierung", und auch lokale Aspekte kommen nicht zu kurz: Für Niklas Albrecht wird die teilweise videoüberwachte Heilbronner Innenstadt zur "wahrscheinlich längsten Bühne der Welt".

Im Frühjahr hatten die GAUwahnen begonnen, ihr neues Programm einzustudieren. Erhard Jöst: "Im Kabarett ist es immer schwierig, die richtige Mischung zu finden. Einerseits müssen die Texte frisch und aktuell sein, weil die Zuschauer sonst denken, sie seien ein alter Hut - andererseits braucht man aber auch immer genügend Zeit, um die Nummern zu proben." Über die Premiere war er nach der Vorstellung glücklich: "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Truppe - in letzter Zeit macht das Spielen richtig Spaß." (Andreas Mair am Tinkhof)